Die Heuernte in früherer Zeit
Viel Zeit und Kraft war erforderlich, wenn die Heuernte ins Haus stand. Das weitaus größte Wiesengelände für Heuchelheim und Kinzenbach bildete die Lahnau (auch Kahn genannt, im Volksmund: „Koah“). Anfang Juni war der Beginn der Ernte und sie zog sich je nach Wetterlage bis in den Juli hin. Es hieß früh aufstehen, meist zwischen 3 und 4 Uhr und noch in der Dämmerung mit Sense und Wetzstein hinauszugehen, denn wenn das Gras noch taufrisch und feucht war, schnitt es sich am besten. Zwischendurch musste die Sense wieder geschärft werden. Dazu benutzte man den angefeuchteten Wetzstein, welcher in einem mit Wasser gefüllten „Schlotterfaß“ steckte. Der Behälter aus Blech oder Holz hatte eine Spitze und einen Henkel. Entweder steckte man ihn in die Erde oder die Männer an den Hosengürtel. Spätestens gegen Mittag wurde das Mähen eingestellt, da es dann zu warm war für diese schwere Arbeit. Nach dem Mähen wurden die Grasschwaden – meist von Frauen – mit der Gabel auseinandergebreitet und nach dem Antrocknen mit dem meist beidseitig mit Holzzinken versehenen Rechen gewendet. Am späten Nachmittag wurden schmale Schwaden gerecht und für die Nacht auf „Kegel“ gesetzt, auch als Schutz gegen unverhofft einsetzenden Regen. Die Kegel wurden am nächsten Morgen, wenn der Boden trocken war und die Sonne schien, wieder auseinandergeworfen, gewendet und auf dicke Schwaden (Gemoare) gerecht. Nun konnte das Pferde- oder Kuhgespann mit dem Leiterwagen kommen. Auf dem Wagen wurde das Heu meist von Frauen gesetzt, während es Männer hochgabelten. An den Ecken musste darauf geachtet werden, dass sie gerade angesetzt wurden, denn niemand fuhr gerne mit einem schiefgeladenen Heuwagen heim. Das Nachrechen wurde meist von Kindern erledigt. Damit die Ladung nicht auseinanderfiel, wurde das Heu mit dicken Seilen, die unten an den Leitern befestigt wurden, zusammengeschnürt. Der Wagen wurde in die Scheune gestellt und erst nach dem Füttern abgeladen. Das Abladen in den alten kleinen Scheunen war eine richtige Plage, besonders wenn das Heu bis über den höchsten Balken hinauf gegabelt werden musste. Der stärkste Mann stand auf dem Wagen und gabelte das Heu in die erste obere Kammer. Von dort gabelte es der zweite Mann ganz nach oben. Dort standen dann die Jüngsten, meist Kinder, die das Heu zusammentreten mussten. Das war wahrlich kein Vergnügen, schweißgebadet bei Dreck und Staub unter dem sommerlich heißen Scheunendach. Am nächsten Morgen sollte wieder zu früher Stunde eine Wiese gemäht werden. Ja, beim Heumachen waren die Tage lang und die Nächte kurz. In der Zeit der Heuernte hörte man oft bis spät in die Nacht das „Dengeln“ zum Schärfen der Sensenschneide aus den Höfen heraus. Dazu benötigte man einen sogenannten Dengelstock mit einem meist in einen Holzklotz bzw. Holzstamm eingelassene Eisenauflage und einen speziellen auf beiden Seiten etwas zugespitzten Dengelhammer. Manche Landwirte brachten ihre Sensen zum Dengeln auch zum Schlosser oder Schmied.
Neben der Heuernte gab es als zweite Grasmaht im Spätsommer noch die Grummeternte. Diese war nicht so ertragreich, aber auch nicht zu beschwerlich, denn das zweite Gras war kürzer und wesentlich leichter. Erst kurz vor dem 1. Weltkrieg gab es die ersten Gespann-Mähmaschinen, die schon viel Erleichterung brachten. Vollmechanisiert wurde das Heumachen erst in den 60-er u. 70-er Jahren. Traktoren mit Mähwerk, heute Kreiselmäher, Heuwender, Schwadrechen, Presse und Ladewagen, alles macht nur eine Person mit dem Trecker. Beim Abladen werden Heugreifer und Ballenförderer eingesetzt. Ohne diese energieverbrauchenden und kostenträchtigen Maschinen wäre heute Landwirtschaft nicht möglich. Eins ist auch heute noch nicht möglich: Das für die Heuernte nötige gute Wetter selbst zu machen.
Heimat- und Geschichtsverein Heuchelheim-Kinzenbach e.V. Arbeitskreis Ortsgeschichte
Das Bild zeigt einen Kuhgespann-Wagen, hochbeladen mit Heu.